Gemaltes Multiversum

Einladung zur Finissage der Ausstellung „Parallelwelten“ mit Arbeiten von Katharina Worring am Samstag, den 25. November 2017 zwischen 11 und 14 Uhr in die Galerie Palais Walderdorff  einladen. Text: Eva-Maria Reuther Die Vermutung, dass neben der uns bekannten Welt noch andere existieren, ist seit der Antike das Thema unzähliger Diskussionen und Untersuchungen. Was die Wissenschaft noch erforscht hat Katharina Worring für ihre künstlerischen Schöpfungen geklärt. Ihr Bilduniversum verfügt über mehrere nebeneinander bestehende Bildwelten, die doch eng zusammenhängen. „Parallelwelten“ nennt sie folgerichtig ihre aktuelle Ausstellung im Palais Walderdorff. Zwei Welten werden darin präsentiert. Zum einen sind das die kleinen Formate im Obergeschoss, Arbeiten auf Papier und Collagen, die als „work in progress“ im Prozess der Bildsuche und Klärung, die bildnerischen Möglichkeiten ausloten. Im Geviert ihrer Bildräume tun sich meditative Denkräume auf, deren Linien Horizonte bilden, an denen der Blick des Betrachters seine eigenen Vorstellungen festmachen kann. Den stillen meist schwarz-weißen kleinen Arbeiten des Obergeschosses stehen die volltönenden großformatigen Gemälde im Erdgeschoss gegenüber. Sie sind quasi das Ziel, zu dem der Weg über die Kleinformate führt. Die eindrucksvollen Gemälde besitzen selbst ein komplexes Innenleben. Die Binnenstruktur ihrer Farbwelten birgt eine Vielzahl sich überlagernder Ebenen und Räume, die sich zu einem vielschichtigen Multiversum verdichten. Katharina Worrings Ort ist die gegenstandslose Malerei. Das Schaffen der in Trier lebenden Künstlerin ist von großer Dynamik. Noch vor nicht allzu langer Zeit war ihr Bildraum ein geometrisch streng geordneter, in dem einzig die Farbe für sinnliche Sensation und Erschütterung sorgte. In den neuen Gemälden der aktuellen Ausstellung, sind Komposition und Geste freier geworden, der Eindruck lyrischer. Worrings Bildraum ist geistiger wie seelischer Raum. Im sich überlagernden Farbauftrag, in der Richtung suchenden Geste, in ihrer Wucht oder ihrer Zartheit, im Zusammenspiel der Farben veräußern sich Gedanken, Ideen und Empfindungen der Künstlerin. Aus der Vielzahl der Einfälle entsteht dabei ein farbmächtiger Bildkosmos, den seine Leerstellen transparent halten und der Freiraum ermöglicht. Damit bleiben Worrings Gemälde trotz ihrer schlüssigen Komposition offene Programme, denen das Suchen und Versuchen der kleinen Formate auch im vorerst abgeschlossenen Werk eigen ist. Katharina Worring ist eine kraftvolle Malerin. Ihre farbmächtigen Gemälde sind von großer Unmittelbarkeit und Farbsinnlichkeit. Mit ihren vielfältigen Farbklängen und ihrer gestischen Vielfalt gleichen sie Partituren, die der Betrachter mit den eigenen Empfindungen orchestriert und zum Klingen bringen kann. Mehr noch: In den Farbschichten der eindrucksvollen Arbeiten wird künstlerisch schöpferischeZeit als Bildwelt festgehalten und zur neuen autonomen Parallelwelt. Tierischer Volksfreund 17.11.2017

Bildnachweis: unsplash: Greg Rakozy